Wildpferde – Nur vereinzelte, halbwilde Pferderassen

Was sind Wildpferde?

Unter dem Begriff Wildpferd unterscheidet man heutzutage echte Wildpferde, die die ursprüngliche Wildform des heutigen Hauspferdes darstellen und Hauspferde, die verwildert leben, wie zum Beispiel die amerikanischen Mustangs. Diese Arten werden zwar umgangssprachlich Wildpferde genannt, entsprechen jedoch zoologisch normalen Hauspferden.

Wildpferde in Europa: Das Przewalski Wildpferd

Die einzige Wildpferderasse, die bis heute überlebt hat, ist das Przewalski-Pferd. In freier Wildbahn wurden die letzten Exemplare in den 70er-Jahren gesehen und seitdem kommt es nur noch in Zoos, Großweiden und Reservaten vor. Durch ein aufwendiges Zuchtprogramm gibt es mittlerweile wieder über 2.000 Pferde dieser Rasse und Pläne, diese ursprüngliche Art wieder auszuwildern. Insgesamt ist es das Bestreben der Zoologen, Wildpferde wieder zum Teil der Natur zu machen. Sie sind sehr genügsam, da sie sich hauptsächlich von Gräsern ernähren.

Die Geschichte des Wildpferds

Das ursprüngliche Wildpferd kam vor ungefähr 1,5 Millionen Jahren über die Bering-Landbrücke nach Eurasien. Auf dem amerikanischen Kontinent starben die Wildpferde vor etwa 10.000 Jahren komplett aus. Wildpferde hatten einen kompakten Körperbau und entsprachen in ihrer Größe etwa einem kleinen bis mittleren Hauspferd. Die Beine waren stämmig und es hatte meist eine kurze Stehmähne.

Das typische Wildpferd hatte ein einfarbiges Fell, kurze Ohren und eine Schulterhöhe von höchstens 145 Zentimetern. Die meisten Exemplare waren etwa 250 bis 300 Kilogramm schwer. Nachgewiesene Farbvarianten beim europäischen Wildpferd sind Brauner und Rappe.

In freier Wildbahn lebten die ursprünglichen Wildpferde in Herden, die von einem Leithengst angeführt wurden. Wildpferde bevorzugten offene Landschaften wie Steppen und Grasländer. Verbreitet war es aber komplett von Westeuropa bis Alaska, auch in Waldgebieten, Halbwüsten und Gebirgen bis 2500 Metern Höhe.

Halbwild lebende Pferderassen in Europa

In Europa gibt es viele halbwild lebende Pferderassen, die zwar einen Besitzer haben, aber in bestimmten Arealen wild leben. Sie leben zwar teilweise autark, sind jedoch trotzdem von Weidezäunen umgeben. Beispiel dafür sind die Dülmener Wildpferde in Westfalen oder die Exmoor-Ponys in Südwestengland. Diese Rassen weisen viele Merkmale von Wildpferden auf und können vollkommen selbstständig überleben. Sie sind zähe und robuste Pferde, die auch harte Winter gut überstehen können.

Die halbwild lebenden Rassen werden jedoch oft im Winter mit zusätzlichem Futter versorgt, auch weil ihre natürlichen Wanderungen heutzutage nicht mehr möglich sind. Die Junghengste werden einmal jährlich heraus gefangen, da sie normalerweise eine eigene Herde gründen oder mit dem Leithengst um die Führung der Herde konkurrieren würden. Diese Eingriffe in das Leben der halbwilden Pferde unterscheidet sie schon von einer komplett wild lebenden Gattung.

Die ursprünglichen Wildpferde waren als Fluchttiere sehr scheu und ergriffen beim kleinsten Geräusch die Flucht. Die Dülmener Wildpferde von heute zum Beispiel sind längst an den Menschen gewöhnt und fliehen nur, wenn sie gezielt erschreckt werden.